So, hier mein Blog zur 2. Aufgabe, in dem ich den Vortrag von Professor Wesch zum Thema e-Learing im Zeitalter des Web 2.0 und ein Podcast von Prof. Kerres zum gleichen Thema diskutieren möchte.
Durch beide Informationsquellen fühle ich mich zunächst gut und umfassend informiert, was die Möglichkeiten, die das Web 2.0 für das e-Learning bieten, angeht. Besonders im Hinblick auf die Hoschschullehre macht Prof. Wesch ein wohl uns allen bekanntes Problem sehr anschaulich deutlich: ein großer Hörsaal mit 100 Studenten oder mehr, der Dozent kaut vor, man verlässt sich auf seine Informationen als die einzig Wahren, der Student reflektiert nicht, interagiert wohl kaum, lässt sich mehr oder weniger berieseln und versucht die vorgepredigten Informationen für einen Test möglichst gut zu pauken, um nach dem Bestehen diese wieder zu vergessen. Weschs Idealbild der Lehre an einer Hochschule sieht anders aus und kann mithilfe neuer und immer weiter wachsenden Möglichkeiten des Web 2.0 umgesetzt werden.
Bevor ich darauf eingehe, möchte ich noch kurz anmerken, dass ich grundsätzlich schon der Meinung bin, eventuell ein wenig anders als dandi von pferd, dass Faktenwissen, das man bei einer Präsenzveranstaltung von einem Dozenten gut gegliedert und aufbereitet bekommt, sehr wichtig ist (dabei meine ich vor allem Grundwissen) und zur Lehre dazugehört, ja sogar auch richtig Spaß machen kann.
Allerdings erscheint mir Weschs Vorstellung, und auch die von Kerres`, sehr motivierend und vor allem auch gewinnbringend. Mir ist bei beiden Vorträgen deutlich geworden, dass es hierbei um viel mehr geht, als das Internet zum Austausch von Informationen zu benützen und so vieles einfacher zu machen. Es geht vor allem darum, den Lernprozess um ein Vielfaches wirkungsvoller zu gestalten. Wesch stellt seinen Studierenden eine Plattform zur Verfügung, die verschiedene Newsfeeds enthält, die das gemeinsame Arbeiten enorm effektiver und gleichzeitig noch einfacher machen. Man hat die neuesten Inforamtionen von Kommolitionen immer auf den ersten Blick zur Verfügung, man kann diese diskutieren, erweitern oder kritisieren. Hier entsteht einer Gruppendynamik, bei der jeder einzelne mitwirken kann und sollte. Es steht dem Studierenden nicht eine begrenzte Anzahl an Informationsquellen bereit, sondern das ganze WWW steht offen. Den wohl größten Vorteil bringt Wesch auf den Punkt: nicht nur, dass somit in sehr großen Gruppen gemeinsames, aktives Arbeiten so wie in kleinen Gruppen von 12 Leuten möglich wird. Dadurch, dass eben viel mehr als nur 12 Leute – vielleicht sogar das Zehnfache – beteiligt sind, kann die Informationsbeschaffung viel umfangreicher werden, die Auslese von guten Quellen durch weit mehr Meinung viel gesicherter ablaufen … also das kann Web mit sehr hoher Effizienz durchforstet werden und somit ein weit standfesteres Ergebniss der Arbeit erzielt werden.
An diesem Punkt möchte ich noch einmal auf den Ausgangspunkt meiner Ausführungen kommen. Wie nun erläutert ist es eben nicht so, dass man eine gewisse, vom Dozenten bereitgestellte und gefilterte Menge an Info bekommt und diese stur paukt. Durch das aktive Teilhaben am Prozess der Informationssuche und -aufarbeitung wird dem Lernenden die Vielfalt einer durch die Globalisierung vernetzten Welt deutlich, er muss reflektieren, diskutieren, und lernt so, sich in einer multikulturellen Gesellschaft zurechtzufinden. Er lernt die Methoden, wie er Wissen zu recherchieren und organisieren hat. Somit kommt dem Lernen mit dem Web 2.0 eine ganz neue Dimension zu. Man kann große Gruppen effektiv arbeiten lassen und durch die Meinungs- und Stimmenvielfalt evidentere und spannendere Ergebnisse erzielen.
Ganz witzig finde ich die Idee, dass die Member ihre Kommolitionen selbst bewerten. Dies funktionierte aber in Weschs Fall nicht, da sich jene durch die Uni kannten und Sympathien eine Rolle spielten. Grundsätzlich schätze ich eine solche Methode der Bewertung, die uns eben das Web 2.0 bietet, sehr interessant ein. Wenn man eben jene Sympahtien und Apathien ausblenden könnte, eventuell durch nicht lokal gebundene Projekte, wäre die Notengebung unter Umständen gerechter, durch die Vielfalt der Meinungen neutraler.
Ein kleines Problem sehe ich persönlich darin, wenn man so etwas zu persönlich macht. Hier stehe ich vor einem Zwiespalt. Auf der einen Seite ist es natürlich wichtig, die einzelnen “Mitarbeiter” identifizieren zu können, privat anschreiben zu können und mit einem Bild dem Ganzen – in dieser sehr “globalen” bzw. kollektiven Form des Lernens - wiederum eine individuelle Note zu verleihen. Dennoch scheint mir dadurch alles schon sehr transparent. Wenn zum Beispiel jeder Teilnehmer einen Blog führen soll, kann sich jemand, der Scheu vor der “weltweiten” Öffentlichmachung seiner Meinung eingeschüchtert fühlen. Genauso sehe ich keinen so großen Nutzen in Spielereien, wie zum Beispiel das Kontaktbild der “aktivsten” Nutzer größer zu machen und somit diesen Zustand für alle mehr als deutlich zu präsentieren. Bei allen – ohne Frage – sehr weitreichenden und effektiven Möglichkeiten des Lernens mit diesen Methoden des Web 2.0s sollte man meiner Meinung nach somit dennoch auch die Frage nach Individualität, Selbstbestimmung und Privatssphäre nicht aus den Augen verlieren. Es gibt nunmal Lerner, die ihre Meinung nicht so gerne in derart transparenter Form öffentlich machen – auch wenn durch diesen Meinungsausstausch mehr Möglichkeiten entstehen – und somit eingeschüchtert und “unproduktiv” werden könnten. Ich will einfach fest halten, dass eventuell dadurch gewisse Typen von Lernenden auf der Strecke bleiben könnten. Vielleicht sollte man hier ansetzten, und Möglichkeiten oder gewisse Alternativen suchen. Grundsätzlich aber bin ich von dieser modernen Art des Lernens und seiner Wirkung überzeugt.
Soweit zu meiner Diskussion der beiden Vorträge – wobei ich mich vor allem auf jenen Weschs gestützt habe – da mir hier die Möglichkeiten noch etwas anschaulicher deutlich geworden sind.
Bis bald
maggo